Wie stark spielte Emil Josef Diemer? Es ist nicht leicht, sich von der Spielstaerke Emil Josef Diemers ein Bild zu machen. In Datenbanken findet man von ihm ueberwiegend Fernschachsiege gegen schwaechere Gegner, die wenig aussagekraeftig sind. Aus der Zeit seiner groessten Spielstaerke von 1950-1956 liegen dagegen nur ein paar Dutzend Turnierpartien vor. Laut R. Schwind (Rochade Europa 12/1977) besaá Diemer in jener Zeit eine Ingozahl um die 60, was einer heutigen Elo-Zahl oder DWZ von 2360 entspricht. Dr. Cherubim stufte laut [12] die Spielstaerke Diemers im Jahre 1956 etwas hoeher ein als die eigene, ungefaehr bei Ingo 55 (= heute Elo 2400). Um einen Eindruck zu vermitteln, zeigen wir drei Turnierpartien, welche Diemer mit dem BDG gegen Spieler von Meisterstaerke bestritt. Diemer-Geza Fuester (IM 1969) Beverwijk 1958 1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Sc3 Sf6 4. f3 exf3 5. Sxf3 g6 6. Lc4 Lg7 7. 0-0 0-0 8. De1 b6 9. Dh4 Lg4!?. enthaelt nur eine Partie mit 9...La6. 10. Le3 Lxf3 11. Txf3 Sbd7 12. Taf1 c5 13. Th3 (Oder 13. Se4 Tc8 14. Lh6 cxd4 15. Lb3 Tc5, [0:1, 40], R. Smook-Fuester, Kanada 1972) 13...h5. Eliskases meinte: Ich bekomme nie solche Stellungen." So berichtet Diemer (S. 65), der es als Kompliment fuer seine enorme Angriffsstellung" (Diemer) auffasste. 14. Thf3. Hier dachte ich erstmals etwas laenger als eine halbe Stunde nach, waehrend mein Gegner nur noch 38 Minuten fuer 27 Zuege hatte. Und fand doch nicht den Zug der Zuege, obwohl ich auch diesen Zug in Erwaegung gezogen hatte, naemlich mit 14. Le2 und 15. g4 weiter anzugreifen!" (Diemer). Eine Analyse zeigt aber, dass 14. Le2 cxd4 fuer Schwarz vorteilhaft war: 15. Lxd4 (15. g4? dxe3 16. gxh5 scheitert an 16...Sxh5 17. Lxh5 e6 +) 15...e5 16. Le3 Sh7 17. Dg3 Sdf6! 18. Kh1 Dd7. 14...Tc8 15. La6 Sg4 16. Sd5 Sdf6 17. Sxf6 (17. Sxe7 Dxe7 18. Lg5 Tc6 19. h3, Diemer) 17...Lxf6 18. Lg5 Dxd4 19. Kh1 Tcd8 20. Lxf6 Sxf6 21. Tf4 Dxb2 22. Dg5 Td5 23. Dg3 Kg7 24. c3 Tdd8 25. Df3 Td6 26. h3 Dc2, und Weiss gab auf. Diemer-Matthias Gerusel (Vize-Jugend-Weltmeister 1957; IM seit 1968) Beverwijk 1961 1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Sc3 Sf6 4. f3 Lf5 5. fxe4 Sxe4 6. Df3 Sd6 7. Lf4 Dc8 8. Lxd6 cxd6 9. Lb5 Ld7 10. Sge2 Lxb5 11. Sxb5 Sd7. Ein logischer Zug, der aber in fehlt. 12. 0-0 Sf6 13. g4?. So geht es nicht. Auf der Suche nach einer Verbesserung fiel mir dieses Opfer ein: 13. Tae1 a6 14. Sxd6!? exd6 15. Sg3 Kd8 16. Sh5. Ist das zur Not spielbar? Aber vermutlich erzielt auch 14. Sbc3 genug Ersatz. 13...h6 14. h4 a6 15. g5 hxg5 16. hxg5 axb5 17. gxf6 gxf6 18. Sc3 Ta5, und Weiss gab auf. Diemer-IM Ernoe Gereben Zwolle 1959 1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Sc3 Sf6 4. f3 exf3 5. Sxf3 Lg4 6. h3 Lxf3 7. Dxf3 c6 8. Le3 e6 9. Ld3 Sbd7 10. 0-0 Le7 11. Tf2 0-0 12. Taf1 Da5 13. g4 h6. Recht gut, obwohl etwas anderes vorzieht: 13...Sd5 14. De4 g6 15. Lh6 Sxc3 16. bxc3 Dxa2. Jetzt raet zu 17. Lxf8 Txf8 18. h4!? Lxh4 mit weissem Angriff. 18...Dd5! ist genauer. 14. h4 c5 15. g5 hxg5 16. hxg5 cxd4 17. Dh3. Spekuliert auf die gegnerische Zeitnot und behaelt sogar recht. 17. Lxd4 Dxg5 18. Kh1 Dh4 19. Th2 Dxd4 20. Dh3 + ist Diemers Verstaerkung. Schwarz zieht aber 18...Dh5! 19. Dxh5 Sxh5. 17...dxe3 18. Tg2 Tfc8 19. gxf6 Sxf6?. Zeitnotfehler; 19...Lxf6 +. 20. Dh6 g6 21. Lxg6, und Schwarz gab auf. So haben wir immerhin drei Partien gefunden. Schade nur, dass in dieser Satz Diemers steht (S. 160): Ich konnte dort [1959] schon nicht mehr richtig Schach spielen."